Möchtest du zuhause selbst Microgreens anbauen? Dieser Artikel erklärt dir, wie du die kleinen, extrem gesunde Pflanzen mit vielen Vitaminen in acht Schritten anbauen kannst. Inklusive ist Insiderwissen zur perfekten Wachstumsförderung der kleinen Grünlinge. Gegen Ende des Artikels stehen dir wichtige Tipps und Tricks zur Verfügung – gepaart mit tollen Fotos meiner bisherigen Erfahrungen.

Anbau von Microgreens

Dieser Artikel befasst sich mit dem Anbau von Microgreens, den du in acht einfachen Schritten professionell und zu Hause auf deiner Fensterbank durchführen kannst. Bevor wir zur Anleitung kommen, möchte ich dir noch ein paar Grundlagen zum Anbau mitgeben:

Microgreens kannst du in unterschiedlichen Schalen und Gefäßen anbauen. Dabei kannst du auf kostenlose Plastikschalen von Gemüse wie Tomaten oder Champions zurückgreifen oder professionelle Schalen – im Fachjargon „Trays“ genannt – verwenden. In diesem Beitrag zeige ich dir den Anbau von Microgreens bei gleichzeitiger Verwendung von Trays in 1020er-Größe (10″ × 20″, also 25,4cm × 50,8cm). Diese haben die perfekte Größe für die Fensterbank.

Damit deine Microgreens in den Trays auch perfekt wachsen, verwende ich drei Trays für einen Anbau von Microgreens: Ein ungelochtes Tray bildet die untere Schale. In bzw. auf diesem platziere ich ein gelochtes Tray, in dem die Microgreens auf dem Anzuchtmedium (z.B. Kokoserde) aufwachsen. Durch das gelochte Tray kann einerseits zu viel Wasser abfließen oder die Microgreens können Wasser aufnehmen (dazu später mehr). Das dritte Tray ist ein ungelochtes Tray, das wir für eine noch bessere Keimung und einen starken Wachstumsprozess verwenden. Mehr dazu in der Anleitung.

Möchtest du deine Microgreens vollständig ohne Plastik anbauen, empfehle ich dir einen Blick auf die Grow-Grow Nut.

Anleitung

1. Vorbereitungen

Damit du mit deinem Microgreens-Anbau erfolgreich startest, musst du vier Dinge beachten:

  1. Weiche dein Saatgut – je nach Typ – gegebenenfalls ein, damit es besser keimt. Erbsen beispielsweise gehören eingeweicht, wogegen Brokkoli nicht eingeweicht werden muss.
  2. Halte pro Anbau drei Trays (1× gelocht, 2× ungelocht) bereit, damit der Anbau perfekt funktioniert.
  3. Habe dein Anbaumedium wie z.B. Kokoserde zur Hand.
  4. Befülle einen Drucksprüher mit möglichst ph-neutralem Wasser.

2. Vorbereitung des Mediums

Stelle das gelochte Tray in eines der ungelochten Trays (Wasserablauf und -zulauf möglich). Fülle eine ca. zwei bis drei Zentimeter hohe Schicht an Kokoserde in dein gelochtes Tray.

Durchfeuchte die Kokoserde mit möglichst ph-neutralem Wasser. Über ph-Stabilisatoren kannst du dein Wasser regulieren.

Achte bei der Verteilung der Kokoserde auf Gleichmäßigkeit, damit die Microgreens eben und einheitlich wachsen.

3. Verteilen des Saatguts

Nach erfolgreichen Vorbereitungen kannst du nun dazu übergehen, die Microgreens gleichmäßig auf der Kokoserde zu verteilen. Dabei nimmst du – je nach Microgreens – zwischen 15 und 25 Gramm pro 1020er Tray.

Nach dem Verteilen kannst du das Saatgut mit er Hand ein wenig in das Anzuchtmedium hineindrücken, um einen permanenten Kontakt zur Feuchtigkeit herzustellen.

Anschließend verwendest du den Drucksprüher mit möglichst ph-neutralem Wasser und sprühst alle Samen ein.

Als letzten Schritt nimmst du dein drittes 1020er Tray (ohne Löcher) und stellst es auf das Saatgut bzw. das Anzuchtmedium. Bestenfalls stellst du hier noch etwas Schweres drauf, damit sich die Wurzeln der Samen in die Erde graben und mit der feuchten Kokoserde in Kontakt bleiben.

4. Keimphase

Jeden Tag sprühst du die Samen nun zwei- bis dreimal ein und belässt für die sonstige Zeit das Tray auf diesen, damit noch kein Kontakt mit dem Licht stattfindet.

Mit diesem Prozess fährst du solange fort, bis alle Samen gekeimt haben, bereits erste Blätter haben und schon ein bis zwei Zentimeter gewachsen sind. Dies dauert erfahrungsgemäß – je nach Samen – zwischen drei und sieben Tage.

5. Blackout-Phase

Sobald alle Microgreens gekeimt und erste Blätter haben, startet die Blackout-Phase. Dazu drehen wir das obere Tray um, sodass kein Druck mehr auf die Microgreens ausgeübt wird. Gleichzeitig wachsen die Microgreens weiterhin in Dunkelheit. Dies hat den Hintergrund, dass wir damit den Ertrag erhöhen können: Die Microgreens strecken sich nämlich durch die Suche nach Licht und wachsen damit stark in der Länge.

Wie lange die Blackout-Phase dauert, hängt von deiner Präferenz ab. Möchtest du die Microgreens schnell ernten, kannst du die Blackout-Phase verkürzen. Für einen hohen Ertrag verlängerst du die Blackout-Phase.

6. Bewässerung und Nährstoffe

Sobald die ersten Wurzeln durch das gelochte Tray wachsen, wechseln wir zudem unsere Bewässerungsmethode. Bisher haben wir die Microgreens per Drucksprüher und ph-neutralem Wasser bewässert. Ab diesem Zeitpunkt bewässern wir die Microgreens nur noch, indem wir in das unterste, ungelochte Tray zwei- bis dreimal täglich 200 bis 500 Milliliter an ph-neutralem Wasser hinzufügen. Das bringt zwei Vorteile:

  • Das Wasser gelangt direkt zu den Wurzeln der Microgreens, wo sie dies perfekt aufnehmen können.
  • Die Oberfläche der Kokoserde ist nicht so feucht, sodass Schimmel effektiv vermieden wird und sich Insekten wie Trauermücken nicht wohlfühlen.

Möchtest du Nährstoffe verwenden, damit die Microgreens noch ausgiebiger wachsen? Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen: Du kannst die Nährstoffe einfach dem Wasser in der vom Hersteller empfohlenen Dosis dem Wasser hinzufügen. Ich persönlich habe mit General Hydroponics MaxiGro gute Erfahrungen gemacht – insbesondere, da dieses den ph-Wert stabilisiert.

7. Reifephase

Hast du entschieden, dass deine Microgreens hoch genug gewachsen sind? Dann wechseln wir in die Reifephase. In dieser Phase ist es besonders wichtig, dass deine Microgreens viel Licht bekommen. Stelle sie wahlweise auf die Fensterbank oder beleuchte sie mit speziellen Pflanzenlichtern.

8. Erntezeit

Sehen deine Microgreens ausgewachsen aus? Sind alle Blätter grün und nicht mehr gelb? Dann bist du in der Erntezeit angekommen und du stehst kurz davor, deine Microgreens genießen zu können!

Zur Ernte der Microgreens empfehle ich eine Schere oder ein langes Messer mit glatter Klinge (ohne Zacken) zu verwenden. Damit lassen sich die Microgreens am besten abtrennen. Enjoy your meal!

Die Kokoserde ist in der Regel nicht wiederverwendbar, da sie mit den Wurzeln deiner Microgreens durchwachsen ist. Tipp: Es lohnt sich ein Blick unter die Kokoserde, um die Wurzelstruktur anzuschauen.

Die besten Microgreens

Es gibt eine Reihe an Einkaufsmöglichkeiten für Microgreens und Sprossen. Ich empfehle aus eigener Erfahrung den Microgreen-Shop, der eine breite Auswahl an hochqualitativen Sprossen und Microgreens bietet. Alle Samen sind von einem unabhängigen Labor auf eine einwandfreie Qualität geprüft. Gleichzeitig verkauft das Geschäft keine gezüchteten Sorten, die als ausgewachsene Pflanzen besser aussehen mögen. Tatsächlich sind ungezüchtete Sorten in der Regel viel besser in Bezug auf Inhaltsstoff- und Vitamingehalte.

Doch was ist eigentlich der Unterschied zwischen Microgreens und Sprossen? Beide Varianten sind ein und dieselbe Pflanze, nur das Erntealter ist unterschiedlich. Sprossen haben ein Alter von ca. 3-8 Tagen und Microgreens von ca. 8-20 Tagen. Natürlich ist die Grenze nicht auf den Tag genau festzulegen, aber in etwa so kann man es sagen. Weitere Details hierzu findest du hier.

Meine absoluten Microgreen-Lieblinge habe ich im Folgenden aufgeführt und abgelichtet:

Brokkoli

Brokkoli ist als besonders gesundes Gemüse bekannt, das als Immunstärker fungiert. Der würzig-pikante Geschmack erinnert leicht an Chinakohl. Brokkoli esse ich besonders gerne auf Brot als Ergänzung zu Brotaufstrichen. Aber auch als Bestandteil von Salaten eignet sich Brokkoli wunderbar. Ebenso lässt sich aus Brokkoli super leckeres Microgreens-Pesto machen!

Sonnenblumen

Sonnenblumen sind weniger scharf als Mizuna und Brokkoli und schmecken leicht süßlich, frisch und knackig. Sie wachsen unter Berücksichtigung einiger Tipps sehr hoch, sodass eine Grow-Grow Nut mit Sonnenblumen eine gute Grundlage für einen Salat darstellt. Die Samenschale lässt sich – sofern sie nicht schon von selbst abgefallen ist, durch Schütteln entfernen.

Rotklee

Rotklee ist eine Microgreen-Sorte, die nicht scharf ist und sich super als Salat oder auf Brot verwenden lässt. Durch den milden, leicht nussigen Geschmack eignet sich das frische und schön zarte Grün von Rotklee perfekt für den Einstieg in die Welt der Microgreens.

Mizuna

Mizuna besitzt feinen Kohlgeschmack und ist leicht scharf. Die feinen Microgreens lassen sich perfekt als Dekoration oder als Beilage zum Salat verwenden. Besonders gerne verwende ich sie in Burgern als Ergänzung oder Altnerative zum regulären Salat.

Tipps und Tricks

Obwohl Microgreens vergleichsweise leicht anzubauen sind, spielen viele Faktoren eine Rolle: Die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit, die Luftreinheit und die Bewässerung sind nur einige Beispiele. Solltest du einmal nicht weiterwissen oder Herausforderungen beim Anbau haben, dann zücke meine Liste mit vielen Lösungshinweisen:

  • Glaubst du Schimmel entdeckt zu haben? Prüfe zunächst, ob es sich nicht um Wurzelhärchen handelt. Diese können Schimmel zum Verwechseln ähnlich aussehen. Sollte sich der Schimmel bestätigen, kannst du ihn durch Beimischung von einer 3%igen Wasserstoffperoxidlösung in das ph-neutrale Wasser in deinem Drucksprüher bekämpfen. Dafür fügst du fünf bis zehn Milliliter einem Liter Wasser zu.
  • Um auch weitere Krankheiten zu vermeiden, verwende die in der Anleitung genannten Bewässerungsmethoden. Ein Drucksprüher hilft für den Anfang und ein Bewässern von unten ist am Ende der korrekte Weg.
  • Haben Trauermücken oder sonstige Insekten deine Microgreens befallen? Verwende Gelbsticker zur effektiven Verringerung.
  • Zur Prävention von Trauermücken oder sonstigen Insekten eignet sich Neudosan als natürliches und für den Menschen nicht schädliches Abwehrmittel. Die Verwendung dieses Wirkstoffs bringt zudem keine Wartezeit bis zur Ernte mit sich, ist jedoch effektiv und kann in der auf der Verpackung angegebenen Dosis Drucksprüher auf die Microgreens und das Anzuchtmedium gesprüht werden.
  • Durch das oben beschriebene Blackout-Verfahren wachsen deine Microgreens deutlich höher und besser. Gleichzeitig schützt du sie so für einige Zeit vor Insekten.
  • Um deine Microgreens noch besser gedeihen zu lassen, kannst du bei der Bewässerung von unten auf Nährstoffe setzen. Hier gibt es eine breite Auswahl. Achte darauf, dass diese mit deinem Anzuchtmedium kompatibel sind. Ich habe mit General Hydroponics MaxiGro gute Erfahrungen gemacht.
  • Verwende für optimale Ergebnisse – insbesondere im Winter – eine spezielle Pflanzenlampe, um das Wachstum voranzutreiben. Die Pflanzenlampe benötigst du nur in der Reifephase.
  • Gibt es Lücken zwischen deinen ausgewachsenen Microgreens? Dann kannst du die Dichte und die Menge an Saatgut vermutlich erhöhen.
  • Gestaltet sich das Wachstum unterschiedlich und sind einige Microgreens ausgewachsenm wogegen andere Microgreens noch sehr klein sind? Dann hast du vermutlich zu viel Saatgut verwendet.
  • Der YouTube-Channel On The Grow bietet dir detaillierte Informationen und Videos zu dem Anbau unterschiedlicher Microgreens – eine klare Empfehlung meinerseits.

Hast du Interesse bekommen und möchtest mehr über Microgreens erfahren? Dann schaue auch einmal auf Microgreens Zuhause vorbei, um dir regelmäßige Tipps und Tricks über den Anbau von Microgreens in unterschiedlichen Gefäßen und unter verschiedenen Bedingungen anzueignen.

Bei Microgreens Zuhause erfährst du Tipps und Tricks über den Anbau von Microgreens.

Microgreens Zuhause

Kennst du noch einen Tipp oder hast du ein anderes Verfahren zum Anbau von Microgreens? Dann teile deine Erfahrungen gerne als Kommentar!

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